Schädliche Mengenausweitung des Palmölkonsums stoppen

22. Februar 2018 | Kategorien: International, Klima & Energie, Natur & Umwelt, Schweiz

Im Sommer 2016 habe ich eine Motion im Nationalrat eingereicht, die eine Erhöhung des Importzolls auf Palmöl verlangt. Damit soll in erster Linie der Palmölverbrauch in der Schweiz verringert und die Produktionsbedingungen in den Ursprungsländern verbessert werden.

Der Bundesrat lehnt das ab und meint, dass die steigende Nachfrage nach zertifiziertem Palmöl die Akteure vermehrt veranlasse, Nachhaltigkeitskriterien einzuhalten. Was für eine Fehleinschätzung! Fast täglich werden uns Bilder präsentiert von brennenden Wäldern, von fliehenden Orang Utans und riesigen Monokulturen. Durch den Palmölabbau werden immer noch artenreiche Regenwälder abgeholzt. Der Orang Utan ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Auch das Klima wird massiv belastet. Berichte von NGOs belegen zudem, dass die Arbeitsbedingungen in den Monokulturen oft prekär und die Löhne schlecht sind, häufig arbeiten sogar Kinder in den Plantagen.

Der Bundesrat schreibt in seiner Antwort, dass durch das Label RSPO bereits ein Fünftel des Palmöls nachhaltig produziert wird. Der Schweizer Wirtschaft werde es grosse Nachteile bringen, wenn sie mehr fürs Palmöl bezahlen müsste. Zudem sorgt er sich um die Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien, welche damit gefährdet würden. Die Nachricht ist klar: Es ist wichtig, dass die Schweiz möglichst billiges Palmöl bekommt, bei der weit verbreiteten prekären Situation bei Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in den Anbauländern schaut man lieber nicht genau hin.

Heute wird stark auf die Palmölproduktion gemäss den RSPO-Standards gesetzt. Die anfängliche Euphorie über das Label ist aber vorbei. Laut verschiedenen NGOs ist das Label mehr Schein als Sein. Die grösste Kritik ist wohl, dass Verstösse von Produzenten gegen die Richtlinien nur selten untersucht werden und fast immer ohne Konsequenzen blieben. Zudem setzen die Anbauländer das Recht nur mangelhaft durch. So erhalten globale Konzerne immer noch Rodungsbewilligungen, auf den gerodeten Flächen entstehen später Palmölplantagen.

Palmöl ist nicht grundsätzlich schlecht. Von Kleinbauern auf Mischkulturen angebautes Palmöl ist ökologisch und fördert die Artenvielfallt. Durch Mischkulturen werden die Böden geschont, was einen langfristigen Anbau möglich macht. Dadurch werden neue Brandrodungen vermieden und das Klima geschont. Der Anbau ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig.

Es stellt sich auch die Frage: Gibt es Alternativen zu Palmöl? In der Schweiz kann beispielsweise Rapsöl verwendet werden, welches hartgepresst werden kann ohne dabei schädliche Transfette zu produzieren. Rapsöl gilt als gesund. Wenn die Schweizer Industrie Palmöl durch Rapsöl ersetzt, hilft sie nicht nur dem Regenwald, der Artenvielfalt und dem Klima, sie unterstützt gleichzeitig auch die Schweizer Landwirtschaft und sorgt damit auch für kürzere Transportwege.

Die Erhebung von Zöllen mag nicht das eleganteste Mittel sein, um den Verbrauch zu lenken. Aber heute ist immer noch der Preis der Treiber für den Verbrauch und die Verschwendung. Mit einer Fettstrategie, welche die ökologischen und sozialen Aspekte von Anbau, Verarbeitung, Verbrauch und Verschwendung benennt und Alternativen dazu aufzeigt, könnten mehrere Ziele der Agenda 2030 bei uns und in den Produktionsländern erreicht werden.

Die Zölle auf Palmöl könnten gestaffelt erhoben werden, entsprechend dem Einhalten von Nachhaltigkeitskriterien. Diese müssen mit Einbezug der Zivilgesellschaft regelmässig und professionell auf ihre Wirkung überprüft werden. So könnten zwei anvisierte Ziele erreicht werden: Das inländische Rapsöl hat bessere Marktchancen und die Umwelt- und Sozialbedingungen in der Palmölproduktion werden nachhaltig verbessert. Und ebenso wichtig: Wir KonsumentInnen können unseren Beitrag leisten, indem wir auf palmölfreie Alternativprodukte umsteigen und den Detailhändlern klar machen, dass wir kein Palmöl aus Monokulturen wünschen.